Einsichten und Aussichten: Über Motivation

Im Frühjahr habe ich einen Beitrag darüber verfasst, warum ich mit meinen Blogs kein Geld verdienen will. Warum blogge ich dann? Was ist meine Motivation? Eine gute, wichtige Frage!

Der November ist da und mit ihm die Zeit des Jahres, in der ich nachdenklich werde. Viele schimpfen auf die Kälte, auf den Regen, auf den Nebel, auf die früh einsetzende Dunkelheit … all das macht mir nichts aus. Im Gegenteil. Ich werde ruhiger, ziehe mich ein wenig zurück, lese und lerne viel. Schaue, wie das Jahr so war, wo ich stehe und wohin ich möchte. Andere machen das traditionell am Jahresende, zwischen Völlerei und Böllerei. Nun, bei mir war stattdessen der November schon immer der Monat des Rückblicks. Ich mag seine spezielle Ruhe, in der ich gut nach innen horchen kann.

Unter anderem beschäftigt mich zurzeit das Thema ‚Motivation‘. Bücher über Buddhismus und Meditation sowie die lehrreichen, wunderbar humorvollen Youtube-Videos von Thubten Chodron haben mich auf die Frage nach meiner Motivation gebracht.

Warum mache ich, was ich mache?

Das scheint auf den ersten Blick banal, ist es aber keineswegs. Oft scheint unsere Motivation auf der Hand zu liegen: Man isst, weil man Hunger hat. Man wäscht sich, damit man nicht stinkt. 😉 Aber sobald man die offensichtlichen Dinge abgehandelt hat, wird es interessant. Wie zum Beispiel die Frage nach unseren Beziehungen zu anderen Menschen. Müssen wir uns mit ihnen abgeben oder tun wir es freiwillig und gerne? Tun wir es, weil wir sie mögen oder versprechen wir uns einen Vorteil von dem Kontakt? Und dann die Frage nach der Arbeit. Warum arbeitest Du? Um Deinen Lebensunterhalt zu verdienen? Oder verfolgst Du noch ein anderes Ziel, einen anderen Zweck?

Was das Bloggen angeht, so macht es mir nach wie vor sehr viel Spaß, sowohl das Fotografieren als auch das Schreiben.

Wenn ich mit Nikki unterwegs bin, wird alles zum Motiv. Der Blick durch den Sucher macht Alltäglichkeiten zu Geheimnissen, die ich ergründen und zu Kunstwerken, die ich dokumentieren und mit anderen teilen möchte. Es ist wie der Blick durchs Mikroskop, damals, in der Schule. Man möchte die Menschen um sich herum anstupsen und ihnen zeigen, was sich da für Unglaublichkeiten in einem Wassertropfen tummeln: Wow, guck' dir das an!

Wie ich im ersten Beitrag über meine Motivation geschrieben habe: Bloggen ist für mich keine Arbeit, sondern Spiel. Mein Spiel, ohne Regeln oder Einschränkungen. Darum schreibe und veröffentliche ich nach Lust und Laune auch mal Beiträge wie diesen hier, obwohl er nichts mit veganer Lebensweise oder Infos über Hamburg zu tun hat. Ganz genau, es ist kein redaktioneller Beitrag, er passt in Ton und Länge nicht zu den anderen – und das ist mir vollkommen schnurz. Wer weiß, vielleicht ist eine meiner Überlegungen für jemanden da draußen interessant oder hilfreich oder sie gibt einen Denkanstoß. DAS würde mir etwas bedeuten.

Womit ich bei meiner Motivation bin.

In den Büchern, die ich lese und in den Videos, die ich mir ansehe, wird betont, wie wichtig es ist, sich über seine Motivation klar zu sein. Das macht Sinn für mich. Man kann etwas bloß machen, einfach so, irgendwie hinhauen – oder aber, man tut das, was man tut, mit der bestmöglichen Absicht. Mit der Absicht, möglichst niemandem Schaden zuzufügen oder noch besser, mit der Absicht, möglichst vielen (fühlenden Wesen) zu helfen. Das kann man überall, bei der Arbeit an einer Supermarktkasse ebenso gut wie bei der am OP-Tisch. Wenn die Motivation stimmt, kann man überall eine Hilfe und eine Unterstützung für andere sein.

Doch dafür muss man seine Motivation kennen und sie sich jeden Tag wieder bewusst machen. Nur dann kann sie positiv, hilfreich und heilsam wirken. Positiv, hilfreich und heilsam für alle, mit denen man es im Laufe des Tages zu tun bekommt. Und positiv, hilfreich und heilsam für einen selbst, weil man die Gewissheit hat, die Arbeit gut und in bester Absicht zu machen statt larifari und mit Gleichgültigkeit.

Mir gefällt dieser Ansatz, dass ich meine Motivation hinterfragen soll. Es ist zwar nicht immer einfach, sich selbst ehrlich mit den eigenen Beweggründen zu konfrontieren. Aber es hilft mir, mich zu fokussieren und damit, meine Kraft und Energie gezielter einzusetzen.

Was bedeutet das für meine Blogs?

Mir ist bewusst geworden, dass es mehr als genug vegane Rezepte gibt. Ich meine, jetzt mal ehrlich – die Regale in Bücherhallen und Buchhandlungen sind vollgestopft mit veganen Kochbüchern, von all den Blogs und Videos ganz zu schweigen. Kaum jemand, die/der kein veganes Kochbuch veröffentlicht, sobald sie/er ein paar Gemüsetränke zusammengequirlt hat …

Ich denke, die Menschen, die etwas zur veganen Lebensweise suchen, brauchen nicht noch mehr Rezepte mit noch exotischeren Zutaten. Sondern handfeste Tipps und Empfehlungen dazu, wo man was bekommt und wie man es verwenden kann. Gebräuchliche Lebensmittel und einfache Zubereitungsmöglichkeiten, dazu nützliche Erfahrungswerte für den Alltag. Ermunterung und Unterstützung statt Vorwürfe und Anklagen – seufz, einigen kann man offenbar nie vegan genug sein. Nur helfen die mit ihrem Gemotze niemandem. Nicht der angeklagten Person, die dadurch womöglich das Interesse an der veganen Idee verliert und damit die Möglichkeit, ihre Gesundheit dauerhaft zu fördern und etwas für ihre Mitwelt zu tun. Noch weniger hilft es besagter Mitwelt.

Meine Motivation für ‚Veganstifterin‘ war von Anfang an, bei möglichst vielen Menschen das Interesse an der veganen Lebensweise zu wecken, sie auf ihrem Weg zu beraten und zu unterstützen. Denn wer so vegan wie möglich konsumiert, tut nicht nur etwas für seine Gesundheit, sondern schont wertvolle Ressourcen und reduziert seinen Anteil am Tierleid, das durch die Produktion von Fleisch, Milch, Eiern, Leder, Wolle usw. erzeugt wird. Es hilft und nützt also schlussendlich allen – auch mir – wenn so viele Wesen wie möglich so gesund und glücklich wie möglich sind. Darum konzentriere ich mich zukünftig darauf, meine Erfahrungen noch mehr zu teilen und alltagstaugliche Tipps für eine vegane Lebensweise zu vermitteln. Dazu kannst Du mich gerne jederzeit anschreiben, mir Fragen stellen und Dir Themen wünschen. Das passiert jetzt schon, aber eher inoffiziell und privat in Gesprächen. Die sollte ich wohl öfter mal zum Anlass für einen Beitrag nehmen …

Was ‚Schuten & Schnuten‘ angeht, so hat sich meine Motivation im Laufe des Jahres gewandelt. Zu Beginn war es ein eher undefinierter Spaß daran, durch die Stadt zu streifen und Dir anschließend meine dabei entstandenen Bilder zu zeigen. Doch dann haben sich immer wieder Themen ergeben, in denen es darum geht, die Stadt anders zu entdecken und insbesondere ihre niedrigpreisigen/kostenlosen (kulturellen) Angebote zu nutzen.

Das erscheint mir ein lohnenswerter Ansatz zu sein und eine Motivation, die tatsächlich anderen zugute kommt. Denn nicht jede/r hat genug Geld zur Verfügung, um sich neue Bücher zu kaufen oder ins Konzert zu gehen. Ganz abgesehen davon, dass es viele tolle Bücher gibt, die man nur noch im Antiquariat/auf dem Flohmarkt/kostenlos bekommt sowie hervorragende Konzerte, Ausstellungen etc. für die niemand Eintritt verlangt.

Darüber hinaus haben wir in diesem Sommer wieder einmal festgestellt, dass man keine Fernreisen unternehmen und nicht in vermeintlich schicken Restaurants essen muss, um eine gute Zeit zu haben: Ein improvisiertes Picknick auf einer Bank in der HafenCity war privater und romantischer als ein Menü beim Edelitaliener es je hätte sein können …

Ich denke, das lag an unserer Motivation. Sie hat unsere Sichtweise beeinflusst und sich auf die Qualität unseres Erlebnisses ausgewirkt.

Unsere Motivation an diesem Abend war, Zeit miteinander zu verbringen. An einem unserer Lieblingsorte spazieren zu gehen, uns zu unterhalten, zu fotografieren und die Hafenatmosphäre zu genießen. Als wir Appetit bekamen, hätten wir in eines der vielen Restaurants gehen können. Wollten wir aber nicht. Wir wollten draußen und dabei möglichst ungestört sein. Darum gab es provisorisch belegte ‚Handwerkersemmeln‘ und Taschentücher statt Pasta und Servietten, dazu die Lichter gegenüber statt Kerzenschein auf dem Tisch.

Und weißt Du was? Es war perfekt.

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