Erster Besuch im Unverpackt-Laden: Bio.lose in Eimsbüttel

Am Sonnabend haben wir das erste Mal unverpackt eingekauft. Gerüstet mit Tupperdosen und Schraubgläsern sind wir zu ‚Bio.lose‘ nach Eimsbüttel gefahren …

Ich bemühe mich, möglichst wenig Abfall zu produzieren. Aus diesem Grund kaufen wir Obst und Gemüse rund ums Jahr auf dem Wochenmarkt. Brot lassen wir uns beim Bäcker in mitgebrachte Büddel packen. Nahrungsmittel wie Reis, (Pseudo)-Getreide, Hülsenfrüchte und Haferflocken bekommen wir dagegen leider nur verpackt, zum Teil in Plastik. Grrr.

Spätestens seit ich Shias informativen und inspirierenden Blog Wasteland Rebel kenne, wünsche ich mir einen Unverpackt-Laden in unserer Nähe. So hat es mich gefreut zu lesen, dass mit ‚Bio.lose‘ in Eimsbüttel und ‚Stückgut‘ in Ottensen gleich zwei neue Läden mit unverpacktem Sortiment in Hamburg eröffnen. Beide nicht in unserer Nähe, aber immerhin in Hamburg.

Bio.lose‘ ist in die Räume von ‚Manna‘ in der Osterstraße 81 gezogen.

Das Sortiment entspricht dem, was man aus Bioläden kennt: Frisches Gemüse und Obst, Brot und Kleingebäck sowie Käse. In verpackter Form alles, was man fürs tägliche Leben braucht: (Pseudo-)Getreide, Hülsenfrüchte und Nudeln, Kaffee und Tee, alles zum Backen, Aufstriche, Süßigkeiten und vieles mehr.

Außerdem gibt es Milchprodukte und einige Artikel aus Tofu und Seitan.

Hinzu kommt, was dem Laden seinen Namen gibt: Lose Ware. Grundnahrungsmittel wie Reis und Hülsenfrüchte, dazu Nudeln, Mehle, Gewürze, Süßigkeiten und Seifen.

Auf den Internetseiten von Bio.lose gibt es eine Übersicht, was es in loser Form gibt bzw. was es geben soll.

Bei meinem Abruf direkt vorm Einkauf waren Dinkel-Spirelli und Haferflocken Kleinblatt auf dieser Liste. Wir verbrauchen viel von beidem und haben extra große Gefäße eingepackt, um uns zu bevorraten. Nur gab es keine Nudeln aus Dinkel. Sie waren nicht ausverkauft, sondern überhaupt nicht im Sortiment. Schade. Wir haben ersatzweise Vollkorn-Spirelli aus Weizen genommen – Menschen mit Allergien oder Unverträglichkeiten können das nicht …

Die nun auserwählten Weizen-Spirelli haben es uns mehr als schwer gemacht: Sie wollten partout nicht aus dem Spender fallen. Maximal drei, vier Stück auf einmal purzelten heraus. Nachdem ich eine Weile vergeblich gehebelt hatte, kam einer der Mitarbeiter und versuchte zu helfen. Ohne nennenswerten Erfolg. Bei dem Tempo hätte es ewig gedauert, die Schüssel voll zu machen. Und trainiert hatte ich schon zu Hause. Darum haben wir es bei einer Probierportion belassen.

Bei den Haferflocken hatten wir leider auch kein Glück. Es gab eine Reihe fertiger Müslis, eine Vier-Korn-Mischung, Cornflakes, gepoppten Quinoa … aber keine puren Haferflocken. Die sind unser Standard, wir essen sie kalt im (selbst gemischten) Müsli und im gekochten Haferbrei, außerdem backe ich Kekse daraus. Sprich, alles andere war uninteressant für uns. Die Verkäuferin meinte, wir könnten doch verpackte Haferflocken kaufen. Richtig. Haben wir dann auch gemacht. Allerdings bekommen wir verpackte Haferflocken in jedem Supermarkt und in jeder Drogerie. Dafür brauchen wir nicht von Horn nach Eimsbüttel zu fahren ...

Genauso mau sah es für uns bei den Süßigkeiten aus – nichts in lose und vegan, schnüff. War wohl besonders lecker:

Bei den Gewürzen sind wir fündig geworden und haben Paprikapulver und schwarzen Pfeffer abgefüllt. Die unverpackten Gewürze werden in Schraubgläsern angeboten, vor denen jeweils eine kleine Schaufel zum Abfüllen liegt. Das funktioniert unkompliziert, überzeugt mich in dieser Ausführung aber nur bedingt, denn:

Die Gewürze sind durch mit Kuli geschriebene Zettelchen beschriftet, die vor den Gläsern liegen. Sie sind schlecht zu lesen und können leicht entfernt werden. Die kleinen Schaufeln liegen ebenfalls lose vor den Gläsern.

Es ist vorgesehen, dass man eine bestimmte für jedes Gewürz benutzt, aber es ist nicht sichergestellt, dass es so gemacht wird. Im schlechtesten Fall ‚kontaminiert‘ man die Gewürze miteinander. Es gibt Abfüllhilfen, die man nutzen kann, was jedoch das gleiche ‚Misch-Potenzial‘ birgt wie die Schaufeln:

Und – es ist nicht sehr hygienisch, wenn viele Kundinnen und Kunden die Gläser öffnen und die Gerätschaften benutzen.

In einem Interview hat eine Betreiberin des ‚Stückgut‘-Ladens zu diesem Thema gemeint, dass man früher ja auch so eingekauft habe. (Ich kann nicht anders und zitiere Jochen Malmsheimer: "Früher – früher war vieles ... früher!") Das stimmt wohl. Doch haben sich damals Kundinnen und Kunden nicht selbst bedient (und wenn doch, dann nur wir Lütten bei Schnobkram). Lose Waren haben sich hinter einem Verkaufstresen befunden und nur das Personal hat abgefüllt und abgepackt. Dadurch war die Anzahl der Kontakte minimiert.

Würde man es so einrichten, wäre ich von dem Konzept komplett überzeugt. In der aktuellen Ausführung kann ich mich mit gut rieselnden Lebensmitteln aus den Spendern anfreunden. Gewürze aus Gläsern und Mehl, das man aus einer Lade schaufelt, würde ich nicht (wieder) kaufen.

Das Abwiegen ist übrigens absolut simpel: Mitgebrachtes Gefäß wiegen, ausgedrucktes Etikett aufkleben, gewünschte Ware einfüllen, fertig. An der Kasse wird das Gefäßgewicht vom Gesamtgewicht abgezogen, bezahlt wird der reine Warenwert. Ich hätte gerne auf das Etikett verzichtet. Das ist zurzeit noch nicht möglich, soll es aber werden.

Fazit:

Der Ansatz von Bio.lose, die bekannte Bioladen-Struktur mit unverpacktem Angebot zu mischen, gefällt mir sehr gut.

Er spricht die über viele Jahre gewachsene ‚Manna‘-Stammkundschaft und Zero-Waste-Interessierte gleichermaßen an. Der Besitzer erzählte mir beim Kassieren, dass das unverpackte Angebot nach und nach erweitert werden soll. Nachfrage bestimmt hier wie so oft das Angebot, also fragt, fragt, fragt!

Hier und da kann noch am Sortiment geschraubt werden (abgesehen von unserem Einkauf hat z. B. eine Kundin vergeblich nach einer veganen Käse-Alternative gefragt) und die Präsentation der losen Ware ist nicht optimal (Gewürze und Mehle). Doch das ist bei einem neu eröffneten Geschäft mit neuem Konzept auch nicht zu erwarten …

In ein paar Monaten fahre ich noch einmal hin und schaue, wie es sich entwickelt hat. Ich bin gespannt und wünsche dem Bio.lose-Team viel Erfolg!

 

Bio.lose

Osterstraße 81

20259 Hamburg

Tel.: 040 – 40 19 57 00

info@biolose.de

www.biolose.de

 

 

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