Einsichten und Aussichten: Warum ich blogge – und warum nicht

Ich musste pausieren: Ein harmloser, aber sehr hartnäckiger Infekt hatte mich in seinen fiesen kleinen Krallen. Über eine Woche habe ich fast nur geschlafen, geniest und gehustet. Bloggen konnte ich nicht. Aber ich habe die wache Zeit anders sinnvoll genutzt.

Ich hatte kein Fieber und keine Entzündung, war aber dermaßen verrotzt und hatte so heftige Hustenanfälle, dass ich nicht am Computer sitzen konnte. Damit war die Zwangspause unangenehm und anstrengend, hatte aber auch etwas Gutes. Denn ich konnte kaum was anderes tun als schlafen, Serien gucken und – nachdenken. Darüber, was ich so mache. Was mir Freude bereitet. Woher ich komme. Wohin ich will.

Für solche Gedanken haben viele Menschen keine Zeit. Oder nehmen sie sich nicht. Kein Wunder. Was bei solchen Überlegungen herauskommt, macht einen nicht immer froh, glücklich und stolz. Oft erkennt man, dass irgendwas nicht stimmt. Man fühlt sich unwohl, unzufrieden, unausgefüllt, kann aber nicht genau benennen, warum.

Die möglichen Gründe sind vielfältig: Unglückliche Beziehungen. Oder gar keine. Unpassender Arbeitsplatz. Oder gar keiner. Du fühlst Dich zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, zu lang, zu kurz, zu dies, zu das. Hast den einen oder anderen vermeintlichen Makel. Oft ist es etwas, das von außen an Dich herangetragen wird, was Dir ein schlechtes Gefühl gibt …

Du bist vielleicht zufrieden mit Dir und Deinem Leben. Aber andere meinen Dir vermitteln zu müssen, dass etwas mit Dir nicht stimmt. Dann kommen all die oben aufgezählten ‚zu‘ ins Spiel. Die wirken wie ein Makro-Objektiv, das Deine kleinen Besonderheiten gnadenlos heranzoomt und übermäßig stark vergrößert. Und schon fängst Du an zu grübeln, wie Du besser, attraktiver, reicher, was-auch-immer werden kannst.

Damit will ich nicht sagen, dass es falsch ist, über sich nachzudenken. Im Gegenteil.

Manchmal verliert man im Alltagstrott aus den Augen, was einem wirklich wichtig ist. Im schlimmsten Fall sich selbst. Darum ist es überaus bedeutsam herauszufinden, was man selbst tatsächlich braucht und möchte: Bist Du glücklich? Was gibt Dir ein gutes Gefühl? Was wünschst Du Dir? Niemand anders weiß das. Selbst wenn die Absichten einer anderen Person wohlwollend sind – es ist das Idealbild einer anderen Person, es sind ihre Werte und Ziele. Nicht Deine.

So weit, so allgemein.

Zurück zu mir, während der letzten Woche, versunken in Taschentüchern und Gedanken: ‚Veganstifterin‘ und ‚Schuten & Schnuten‘ habe ich vor ein paar Monaten ins Leben gerufen, um (wieder) zu schreiben und zu fotografieren. Ursprünglich war es nur ein klitzekleiner Blog (erst nach ein paar Wochen habe ich ihn auf zwei eigene Domains aufgeteilt), auf dem ich wild alles gepostet habe, was mir gerade in den Sinn und vor die Linse kam. Das hat mir von Anfang an unglaublich viel Freunde bereitet! Es ist einfach toll, meinen Ideen und Beobachtungen ein Zuhause zu geben. Sie zu gestalten, mit ihnen herumzuspielen.

 

 

SPIELEN ist dabei ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor! Darum macht es mir ja so viel Spaß – es ist meine virtuelle Spielwiese, auf der meine Regeln gelten. Ich kann alles schreiben, ohne Themenvorgabe, ohne Limit, ohne Zensur. Niemand schreibt mir vor, wie meine Bilder auszusehen haben, um bei Instagram & Co. möglichst viele Klicks und Likes abzugreifen.

Anfangs habe ich mich nicht einmal gefragt, ob andere sehen und lesen, was ich da so fabriziere. Es war einfach das, was es seiner Erfindung nach sein sollte, ein Online-Tagebuch, ein Web-Log. Nach und nach habe ich mit Freundinnen und Freunden, Nachbarinnen und Bekannten darüber gesprochen. Ich habe viel freundlichen Zuspruch bekommen. Und Fragen. Zu den behandelten Themen, besonders den veganen. Das war und ist wunderbar, denn die Verbreitung der veganen Idee ist mir sehr wichtig.

Es kamen aber schon anfangs immer wieder Fragen danach, ob und wie viel man denn mit Bloggen verdienen kann. Tja … ich hatte zwar hier und da gelesen und gehört, dass man damit Geld verdienen kann. Wie genau das aussieht und wie hoch die Verdienste sind – pffft, öhm, keine Ahnung. Wegen der wiederholten Nachfragen habe ich mich überhaupt erst damit befasst.

Ich habe herausgefunden, dass es dafür verschiedene Möglichkeiten gibt: Bloggerinnen und Blogger bieten ihre eigenen Produkte oder Dienstleistungen an. Oder sie arbeiten mit Kooperationspartnern (Herstellern, Anbietern, Handelsplattformen etc.) zusammen und empfehlen deren Produkte. Oder setzen in ihren Textbeiträgen und Videos Links auf Adressen von Kooperationspartnern und erhalten eine Provision, wenn man als Leserin oder Zuschauerin auf diese Links klickt (und anschließend etwas beim verlinkten Kooperationspartner kauft).

Es gibt also diverse Verdienstmöglichkeiten für Bloggerinnen und Blogger. Und das ist gut so! Es gibt da draußen viele hervorragende Leute, die auf ihren Blogs hilfreiche, unterhaltsame und einfach schöne Sachen anbieten. Warum sollte man damit kein Geld verdienen? Ich gönne es allen von Herzen. Zumal ich weiß, wie viel Aufwand und Energie in der Gestaltung eines Webauftritts stecken.

Durch die vielen Nachfragen habe ich mir schließlich auch irgendwann überlegt, wie ich mit ‚Veganstifterin‘ und ‚Schuten & Schnuten‘ Geld verdienen könnte. Es gab zum Beispiel Interesse an meinen Beitragsfotos. Außerdem gibt es Unternehmen und Hersteller veganer Produkte, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Gleiches gilt für ‚Schuten & Schnuten‘ und Anbieter von Waren und Dienstleistungen rund um Hamburg.

Möglichkeiten gäbe es also. Aber will ich das? Schreibe ich dann weiterhin wie ich natürlicherweise schreibe? Gestalte ich Bilder dann immer noch nach meinem Geschmack?

 

 

Ich lasse mich ja jetzt schon vom Programm beeinflussen, das mir beim Veröffentlichen der Beiträge sagt, was ich wie gestalten soll, damit der Text möglichst gut gefunden und gelesen wird. (Ich beschreibe das bewusst einfach und ohne Fachausdrücke, damit jede/r mir folgen kann.) Wenn mein Verdienst und die Zufriedenheit eines Kooperationspartners davon abhängen, dass meine Beiträge möglichst oft angeklickt werden – wie ehrlich kann ich dann noch sein? Und selbst wenn ich ehrlich bleibe – nehmen es die Leute mir noch ab, sobald Geld fließt?

In eine ähnliche Falle bin ich vor Jahren schon mal getappt.

Damals habe ich Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben. Auch das hat mir viel Freude bereitet. Es war eine gute Möglichkeit, mich auszudrücken. Ich habe meine Gedanken und Gefühle in Worte gefasst, ohne groß nachzudenken, ob das Resultat jemandem gefällt. Einige meiner Texte wurden veröffentlicht und ich habe vor Publikum gelesen. Ich trage gerne vor, habe ich schon als Kind getan. Am Anfang war also alles leicht und spielerisch. Besonders bei den Märchenlesungen für Kinder und Erwachsene habe ich mich ausgelebt, kostümiert als Prinzessin und Meerjungfrau.

 

 

Doch dann lernte ich andere Autorinnen und Autoren kennen, durch Veröffentlichungen in denselben Medien und gemeinsame Lesungen. Das war mein Eintritt in den Literaturzirkus. Wohlbemerkt, in den ganz kleinen: Keine großen Tiere, nur Clowns.

Niemand hat sich wirklich für die Texte – und erst recht nicht für die Menschen dahinter – interessiert. Es ging nur darum, wer die meisten Veröffentlichungen vorweisen konnte. Am besten in bekannten Zeitschriften und gegen Honorar. Noch schlimmer war es mit den Wettbewerben. Wer hat die meisten gewonnen? Wer hat die höchsten Preisgelder eingestrichen? Was da hinter den Kulissen geklüngelt und gemauschelt, geschoben und betrogen wurde, war einfach nur widerlich.

Ich habe mich anstecken lassen. Durch ständige Fragen danach, was ich zuletzt veröffentlicht habe. Ob ich zu Wettbewerb XY etwas eingereicht habe. Wann ich das nächste Mal öffentlich lese und ob ich dafür bezahlt werde ...

Bald habe ich nicht mehr geschrieben, was ich gerade schreiben wollte, sondern habe nur noch Texte speziell für Wettbewerbsausschreibungen verfasst. Wie ein kleines Mädchen in der Schule Aufsätze schreibt: Zu vorgegebenen Themen, mit vorgegebener Länge. Gut verständlich, leicht verdaulich. Bloß nicht schräg, verrückt oder lustig. Sprich, sterbenslangweiliger Einheitsbrei.

Außenstehende haben es geschafft, dass ich meine Kreativität in ihre Formen presse, mich durch ihre Brille betrachte und nach ihren Maßstäben bewerten lasse. Am Ende habe ich die Lust am Schreiben verloren.

Durch das Bloggen habe ich sie wiedergefunden.

Es bereitet mir riesige Freude, die durch das Fotografieren noch verdoppelt wird: In den letzten Wochen habe ich oft alles im Wohnzimmer herumgerückt, um möglichst gute Bilder zu meinen Texten zu produzieren. Heiko nimmt es gelassen, obwohl ich immer wieder seine Feierabendpläne durchkreuze. Er hält bei meinen Sessions ewig lang alle möglichen Lampen in den unmöglichsten Positionen, weil ich noch keine Profileuchten habe …

 

 

Jetzt bin ich ganz kribbelig, weil es draußen endlich mehr Licht gibt. Sobald es noch ein kleines bisschen wärmer ist, hält mich nichts mehr. Dann mache ich die Stadt unsicher, fotografiere und interviewe. Schreibe Beiträge und stelle sie ein. Ohne daran zu verdienen.

Denn das ist die Moral von der Geschicht‘: Geld fürs Bloggen nehm‘ ich nicht.

Alles, was ich Dir hier zeige und empfehle, ist und bleibt unbezahlt. Wenn ich auf anderen Wegen mit Texten und Fotos etwas verdienen kann – schön. Aber ‚Veganstifterin‘ und ‚Schuten & Schnuten‘ sind und bleiben meine privaten Spielwiesen. Auf denen ich mache, was ich will, wie ich will, wann ich will. Nach meinen Regeln, ohne Juroren und Schiedsrichter. Wenn‘s Dir gefällt, prima – sei mein Gast, herzlich willkommen!

Ich hoffe, Du hast auch etwas, das Deinen Spieltrieb und Deine Kreativität anregt. Wenn ja, genieß‘ es und lass‘ es Dir von niemandem madig machen.

Falls Du noch auf der Suche bist: Halte Herz und Augen offen.

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